Großvaters Erzählungen zur Wiesn

Oktoberfest – das größte Volksfest der Welt

Im Jahre 1810

fand die Hochzeit des bayerischen Kronprinzen Ludwig mit der Prinzessin Therese. Aus diesem Anlass fand vor den Toren Münchens auf einer Wiese ein Pferderennen statt, das an die antiken griechischen Spiele erinnern sollte. Das Volk sollte an dem royalen Ereignis mit Freibier partizipieren. Von nun an wurde jedes Jahr dieses Fest veranstaltet. Im Jahre 1818 kam das erste Karussell auf die Wies`n, die noch vor den Stadttoren Münchens lag. Im Jahre 1850 wurde die große gusseiserne Bavaria-Statue errichtet, drei Jahre später 1853 kam die noch bis heute erhaltene Ruhmeshallte hinzu.

Erst 1880 wurde der Bierverkauf erlaubt und die erste Hendlbraterei machte ihre Pforten auf, der Beginn einer bis heute andauernden Tradition, die jährlich Millionen Besucher aus der ganzen Welt anlockt. Ende der 19. Jahrhundert wurde aus den anfänglichen Bierbuden Bierhallen, bis es heute riesige Bierzelte wurden.

Nach dem II. Weltkrieg fanden keine Pferderennen mehr statt. Auf dem größten Volksfest der Welt gibt es neben den vielen Bierzelten auch viele Fahrgeschäften. Als erstes war das Riesenrad im Jahr 1880 auf der Wies´n vertreten, 1910 kam das beliebte Teufelsrad dazu. Hier sitzt man auf einer rotierenden Scheibe, während Helfer von außen versuchen, einen mit Strohballen und Lassos davon runter zu kegeln. Unterstützt wird alles durch markige Sprüche eines Moderators unter begeistertem Gelächter des Publikums. 1919 war das erste Kettenkarusell auf dem Oktoberfest, noch heute bei jung und alt beliebt. Bis heute erhalten ist die seit 1924 bestehende Krinoline, ein Karussell ursprünglich mit Menschenkraft betrieben. „Auf geht`s beim Schichtl“ heißt es schon seit 1869, hier wird laufend ein Zuschauer durch eine Guillotine einen Kopf kürzer gemacht, ein Traditionsgeschäft mit gleichbleibender Beliebtheit. Eine besondere Rarität ist der Flohzirkus, in dem seit 1948 jährlich auf derWies´n ca. 60 Flöhe viele Künststücke vorführen.

Das Oktoberfest wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom Oktober auf Mitte September vorverlegt, da der Altweibersommer für schönes Wetter sorgt. Grundregel ist, dass das letzte Wies´nwochenende im Oktober stattfinden muss.

Am ersten Wiesnsamstag beginnt das Oktoberfest mit dem Einzug der Wies´nwirte auf die Theresiewiese. Nur Münchner Brauereien, die sich an das Reinheitsgebot von 1487 halten,  dürfen auf der Wies´n ihr besonders für diesen Anlass gebrautes stärkeres (6-7 Prozent Stammwürze) Bier ausschenken. Die Brauereien fahren mit prächtig geschmückten Bierwägen und Kutschen vor. Der Oberbürgermeister ist ganz vorn dabei, nur ihm voraus reitet das Münchner Kindl auf einem wunderschönen Pferd.
1950 hat der damalige Oberbürgermeister Thomas Wimmer zum ersten Mal in Schottenhamelzelt das erste Fass Bier um Punkt 12 Uhr angezapft hat. Seitdem wird jährlich der regierende Oberbürgermeister an der Anzahl der Schläge gemessen, die er zum legendären „“ benötigt. Die erste Mass geht seitdem traditionsgemäß an den bayerischen Ministerpräsidenten. Erst danach werden in allen Zelten die Hähne aufgemacht und der Gerstensaft strömt in Massen. Dem „O´zapft is“ folgen 12 Böllerschüsse, die unterhalb der Bavaria abgegeben werden. So ist die Wies´n offiziell eröffnet.
Am ersten Sonntag folgt dann der Trachtenumzug. Mittlerweile sind nicht nur bayerische Trachtenvereine und Fahnenschwenker vertreten, sondern sehr viele internationale Trachtengruppen zu bewundern. Dieses Ereignis wird sowohl live im Fernsehen übertragen, lockt aber auch sehr viele Münchner und Zugereiste auf die Strassen.

Das Oktoberfest zieht jährlich über 6 Millionen Besucher auf die Theresienwiese an. Das erfordert ein enormes logistisches Geschick. Bisher hat alles reibungslos geklappt. Nicht unerwähnt bleiben sollte aber in diesem Zusammenhang der 26.09.1980, der Tag des neonationalistischen Bombenattentats auf die Wies´n. Bedauerlicherweise gab es 15 Tote, 200 Verletzte, davon 68 schwer zu beklagen. Glücklicherweise war das eine Ausnahme. Seit 2005 versuchen die Organisatoren die sogenannte „Ruhige Wies´n“ zu veranstalten. Das ist bisher immer gelungen und wird hoffentlich auch so bleiben. Der Oberbürgermeister Christian Ude wünscht immer „eine ruhige Wies´n“.

Grychtol Quick-Texterstellung 9.2009

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